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Vergleich der Exchange-Schnittstellen
Exchange bietet z.Zt. drei verschiedene Schnittstellen an, über die
ein Virenschutzprogramm mit Exchange kommunizieren kann. Diese
sollen hier angesprochen werden.
Die verschiedenen Ansätze für Exchange
Virenschutz - ein Vergleich der Schnittstellen
Um auf eMails und deren
Attachments zugreifen zu können, muss sich der Virenscanner Zugang
zum Information Store, also dem Speicherort der Nachrichten und
Dokumente in Exchange, verschaffen. Der Zugriff erfolgt über
Schnittstellen, sog. APIs (Application Programming Interfaces).
Hier gibt es drei Möglichkeiten:
MAPI - Messaging APIDiese Schnittstelle ist der bisher
gebräuchlichste Ansatzpunkt für Exchange-Antivirenlösungen. Der
Virenscanner meldet sich über MAPI an jeder einzelnen Mailbox an.
Sobald eine eMail in einer Mailbox abgelegt wird, überprüft das
Antivirenprogramm die eMail bzw. die Dateianhänge auf Viren.
Diese Vorgehensweise bietet einige Angriffspunkte:
Der bei weitem gravierendste Nachteil besteht in der Gefahr, dass
Viren aktiviert werden können, bevor der Virenscanner diese
überprüft hat. Attachments können ungescannt „durchrutschen“.
Wie schon erläutert, wartet der Scanner in jeder Mailbox auf neue
eMails. Erst wenn sie in dem Postfach abgelegt wurden, wird der
Virenscanner aktiv. Der Virenscanner erfährt also im selben Moment
von einer neuen Mail, wie der Empfänger. Normalerweise dauert der Scan-Vorgang nur Bruchteile von Sekunden, und die eMail ist schon
überprüft, wenn der Anwender sie öffnet. Bei hoher CPU-, Speicher-
oder Netzwerkauslastung kann es jedoch passieren, das eine eMail
mehrere Sekunden ungeprüft im Posteingang liegt. In dieser Zeit kann
ein verseuchter Anhang leicht geöffnet werden und ein Virus kann
sein Werk verrichten.
Da der Scanner nur über sog. MAPI Alerts (= Benachrichtigung, dass
eine neue Nachricht in der Mailbox angekommen ist) von einer neuen
eMail erfährt, kann er nur eingehende eMails überprüfen. Verseuchte
eMails, die versendet werden, können nicht erfasst werden.
Das Anmelden des Virenscanners an jeder einzelnen Mailbox
beansprucht sehr viel Prozessorleistung. Wird eine eMail an mehrere
Empfänger (Verteilerliste) im Unternehmen verschickt, wird diese in
jeder Mailbox einzeln gescannt. Dies benötigt ebenfalls unnötig
Prozessorleistung. Probleme bei MAPI:
- MAPI nicht für Virenschutz entwickelt
- Nachrichten können realtime "durchrutschen"
- kein Outbound
- Anmeldung an allen Mailboxen
- Probleme beim Anlegen/Verschieben/Löschen von Mailboxen
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AV-API (Anti Virus API)
Da MAPI, wie oben beschrieben, einige schwerwiegende Nachteile hat,
wurde von Microsoft AV-API (Anti Virus API) entwickelt. Viele neuere
Antivirenprogramme nutzen bereits diesen Ansatz.
Virenscanner, die AV-API nutzen, greifen ein, wenn eine eMail im
Information Store gespeichert wird, also bevor sie in das jeweilige
Postfach gelangt. Sämtliche Dateianhänge werden erst in eine sog.
Attachment Queue gestellt, in der sie vom Virenscanner sequentiell
abgearbeitet werden. Erst wenn der Virenscanner den Anhang freigibt,
kann der Empfänger auf die eMail zugreifen.

Dadurch werden zwei entscheidende Schwachstellen der MAPI
Architektur vermieden: es können keine eMails ungescannt zum
Empfänger gelangen und eine Anmeldung an allen Mailboxen ist nicht
mehr erforderlich.
AVAPI Vorteile:
- setzt an MAPI Schwachstellen an
- scannt ALLE Attachments (kein "durchrutschen" mehr möglich)
- kein Anmelden an Mailboxen
- vom Microsoft Exchange-Team entwickelt
Allerdings hat auch die AV-API Architektur einige Schwachstellen.
So ist derzeit noch keine Benachrichtigung des Viren Versenders und
Empfängers möglich. Der Virenscanner erkennt und entfernt zwar
gefundene Viren, es ist allerdings kein detailliertes Reporting
darüber möglich, von wem der Virus versendet wurde und wer der
Empfänger ist.
Zusätzlich ist ein AV-API Scanner sehr tief im Exchange Information
Store verwurzelt, da der Scanvorgang im selben Adressraum läuft, wie
der Store selbst. Dies kann, vor allem in Anbetracht der Tatsache,
dass AV-API eine sehr junge Technologie ist, zu negativen
Auswirkungen auf den Exchange Store führen. So sind bereits Fälle
bekannt, in denen eine defekte Scan-Engine den Information Store
beschädigt hat.
Probleme gibt es derzeit auch noch beim Scannen von HTML Mails in
Verbindung mit Exchange 2000. Mails die bspw. über Outlook Web
Access versendet und empfangen werden, speichert Exchange direkt in
der sog. Streaming Database (STM). Sie können in der aktuellen
Version des AV-API nicht gescannt werden. Dies gilt auch für
Nachrichten, die in Exchange 2000 über das Installable Filesystem
(Laufwerk M: ) gespeichert werden. Sie werden ebenfalls nicht auf
Viren überprüft.
AVAPI Nachteile:
- kein Nachrichten Kontext im Report
- sehr tiefe Integration in den Exchange Store
- fehlerhafte Scanner oder Updates können ihn beschädigen
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ESE-API (Extensible Storage Engine API)
Da es bei MAPI und AVAPI, wie oben erläutert, Sicherheitslücken
gibt, wurde ein Weg über die Extensible Storage Engine (ESE) des
Exchange-Servers entwickelt. ESE ist der Basisdienst, auf dem der
Information Store des Exchange Servers aufgesetzt ist. Die sog.
ESE.DLL steuert den Schreibvorgang in den Information Store.
Sobald ein Schreibvorgang in den Information Store erfolgt, wird die
betreffende Nachricht vom ESE-API Scanner erfasst und gescannt. Nach
dem Scannen wird die Nachricht abgespeichert. Da Schreibvorgänge
nicht nur beim Empfangen von eMails erfolgen, sondern auch beim
Versenden und sogar bereits beim Speichern von Nachrichtenentwürfen,
können so von keiner Seite verseuchte eMails in den Store gelangen.

Vorteile von ESE-API sind daher: Ein Anhang kann nicht geöffnet
werden, wenn er nicht von dem Virenschutzprogramm überprüft wurde.
Er erscheint erst dann im Posteingang des Empfängers, wenn er vom
Scanner freigegeben wurde. Darüber hinaus muss eine eMail, die an
mehrere Empfänger geht, nur einmal überprüft werden, da sie auch nur
einmal im Information Store gespeichert wird. Somit werden auch die
Systemressourcen geschont.
Im Unterschied zum AV-API geht beim Scannen über die ESE-API der
Nachrichtenkontext einer Mail nicht verloren. So ist die Ermittlung
des Senders und Empfängers einer verseuchten Mail möglich und
Benachrichtigungen können entsprechend versendet werden. Vorteil
gegenüber dem AV-API Ansatz ist auch, dass diese Schnittstelle
bereits seit mehreren Jahren (u.a. von Backuplösungen, aber auch von
der Virenschutzlösung Sybari Antigen) als Zugangspunkt zum Store
verwendet wird und daher entsprechende Erfahrungswerte vorliegen,
die sich bei AV-API erst einstellen müssen.
Vorteile von ESE-API:
- scant beim Schreiben in den Exchange Information Store
- Inbound & Outbound
- Zuverlässigkeit und Performance
- scannt alle Nachrichten realtime
-
minimale Serverbelastung
- Realtime schützt neue/verschobene Mailboxen sofort
- Nachrichtenkontext im Report
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